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kostenlose Au-Pair-Vermittlung via Internet oder Au-Pair-Agentur?

Lohnt sich die kostenlose Au-Pair-Vermittlung über Internetportale?

Judith Liehr·13. Juni 2014

Ich möchte etwas zu einem Thema beitragen, das mich persönlich sehr bewegt und das immer wieder auftaucht, im Internet, den Printmedien, oder auch bei uns im Büro am Telefon. Es mag sein, dass es abgegriffen erscheint bzw. dass schon viel darüber geschrieben wurde – in jedem Fall aber handelt es sich um eine Thematik die mir aus verschiedenerlei Gründen sehr am Herzen liegt, nämlich die teilweise oder vollständig kostenlose Au-Pair-Vermittlung über ein Internetportal, d.h. ohne Einschaltung einer Agentur.

Ja – es ist richtig, dass es, zumindest in vielen Ländern, sehr wohl möglich ist, den Au-Pair-Aufenthalt auf eigene Faust zu organisieren. Sowohl im Rahmen meiner Tätigkeit für den Deutschen Bundesverband der Au-Pair-Vermittler, als auch bei Kulturist erhielt (und erhalte) ich Anrufe von Au-Pairs (und auch immer wieder von Gastfamilien), die mir von ihren teilweise sehr traurigen Erfahrungen erzählten. Ebenso meldeten sich besorgte Eltern von zukünftigen Au-Pairs, oder, schlimmer noch, Au-Pairs, die ohne Agentur im Ausland sind oder waren und die dort in Situationen geraten waren, in denen sie dringend auf kompetente Hilfe angewiesen waren. Im Folgenden geht es um reelle Erfahrungsberichte von Betroffenen, die sich bei mir meldeten und um Rat ersuchten.

Au-Pair als Haushaltshilfe

Relativ harmlos ist noch der eine Fall, bei der das Au-Pair als günstige Haushaltshilfe missbraucht wurde. Die junge Dame erzählte mir, was sie in Neuseeland erlebt hat. Die erste Gastfamilie, zu der sie, ohne Agentur, sondern über ein kostenloses Au-Pair-Portal, ging, habe in einem Haus mit kahlen Wänden, ohne wirklichen Fußbodenbelag, dafür aber mit Ameisen und anderem Ungeziefer, gelebt. Bilder des Hauses habe man ihr vor der Abreise nicht geschickt, da das Haus gerade renoviert werde. Später gaben die Gasteltern zu, dies habe man bewusst nicht getan, weil sie ja sonst sicher nicht gekommen wäre. Nach etwa sechs Wochen habe sie dann die Familie gewechselt. In der zweiten Gastfamilie habe sie das kleinere der beiden Kinder jeden Tag, vollständig allein von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends betreuen müssen, was ihr dann doch zu viel gewesen sei. Die dritte Familie war eine Dame, die vier Pflegekinder hatte, aber einen sehr netten Eindruck gemacht habe. Nachdem sie in diese Familie gewechselt habe, sei ihr erst klar geworden, dass die Dame gar nicht mit im Haus wohnte, sondern sie, zusammen mit einem anderen Au-Pair diese Kinder ganz alleine betreuen sollte. An dieser Stelle habe sie dann aufgegeben und sei wieder nach Hause geflogen.

Au-Pair ohne Sprachkurs

In einem anderen Fall ging es um eine 19-Jährige, welche statt des geplanten halben Jahres, nur knapp fünf Wochen in Spanien bleiben konnte. Auch sie hatte ihre Gastfamilie selbst gefunden. Das kleine Mädchen, welches sie betreute, besuchte eine deutsche Schule – beide Eltern waren berufstätig. Die Arbeitszeit dieses Au-Pairs betrug häufig bis zu 13 Stunden am Tag und das die Familie eher ländlich wohnte, konnte sie auch keinen Sprachkurs besuchen. Die Gasteltern waren aber, sofern sie anwesend waren sehr nett zu ihr. Allerdings hat man ihr nach rund vier Wochen mit einer Frist von zwei Tagen, in denen sie den Heimflug buchen sollte, gekündigt. Als Grund wurde angegeben, man habe sich nun anders organisiert. Auf Nachfrage erzählte mir das Au-Pair, dass sie den Kontakt zur Gastfamilie über ein kostenfreies Internetportal hergestellt habe.

Au-Pair als Putzhilfe?

Au-Pair mit utopischem Gehaltsangebot

In mehreren Fällen wurde uns bekannt gegeben, dass sich potentielle Au-Pairs über kostenfreie Internetportale eine Gastfamilie in den USA gesucht haben. Sie erhielten dann über Facebook Nachrichten von angeblichen Gastfamilien, die ihnen Gehälter von über 1.000 Dollar/monatlich plus dem üblichen wöchentlichen Taschengeld anboten. Wer aber ohne ein entsprechendes Visum (und das gibt es nur, wenn man über eine in den USA zugelassene Agentur geht, die wiederum mit einer Partneragentur in Deutschland arbeiten muss) in die USA einreist, wird ganz sicher große Schwierigkeiten bekommen.

Und es geht immer weiter...

Nicht ungewöhnlich ist es auch, dass sich die versprochene Stadt, als ein abgelegenes Dorf irgendwo im Großraum herausstellt, wie im Falle eines Mädchens aus Frankfurt, welches sich an mich wandte. Sie war eigentlich der Meinung, ihre Gastfamilie wohne in Lille – tatsächlich aber handelte es sich um ein Dorf, welches etwa 40 Kilometer entfernt lag und von wo der Überlandbus nur einmal pro Stunde zur Metrostation in Richtung Stadt fährt.

Eine Familie aus der Türkei hatte über eine Internet-Anzeige ein Au-Pair aus Deutschland eingeladen und dieses Mädchen dann später grundlos des Diebstahls bezichtigt und angezeigt. Wie sich herausstellte, war dem Vorgänger-Au-Pair das Gleiche geschehen. Die junge Dame saß wochenlang dort fest und durfte das Land nicht verlassen. Die entsprechende, nett gemachte Anzeige hat sie hier in dem gleichen Portal wieder neu gefunden.

Oder aber die angeblichen gut betuchten Gastfamilien mit riesigen Häusern, Pool und eigenem Auto für das Au-Pair, die darum bitten, die Reise über eine bestimmte Reiseagentur zu buchen und dort am besten Vorkasse zu leisten. Sie können davon ausgehen, dass niemand, der versucht hat, auf diese Weise seinen Auslandsaufenthalt anzutreten, jemals wieder etwas von einer dieser Familien gehört hat!

Untenstehenden Brief haben wir von einer jungen Dame erhalten, die ihre erste Auslandserfahrung nicht über eine qualifizierte Au-Pair-Agentur gemacht hat. Kim stellt dieses Schreiben all denjenigen, die einen Au-Pair-Aufenthalt planen, gerne zur Verfügung, weil sie hofft, so dazu beitragen zu können, zukünftigen Au-Pairs unnötige Enttäuschungen zu ersparen:

schlechte Erfahrung Au-Pair-World

Ich könnte noch etliche andere, mehr oder minder spektakuläre Fälle hier auflisten – das würde aber vermutlich den Rahmen dieses Blogs sprengen und die Geduld meiner Leser(innen) auf eine zu harte Probe stellen.

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, als Au-Pair ins Ausland zu gehen rate ich Ihnen, sich die Konditionen der kostenfreien Internetportale genauestens anzuschauen. Vergleichen Sie den Leistungsumfang mit dem einer qualifizierten Agentur. Sämtliche Agenturen beantworten Ihnen gerne Ihre Fragen zu den anfallenden Kosten und welche Leistungen Sie dafür erhalten.

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