
Au-Pair in Australien – Nataschas Erfahrungsbericht
Als wir Nataschas Bericht erhalten haben, fragten wir sie spontan, ob wir das veröffentlichen dürfen, denn sie spricht einige durchaus sehr wichtige Punkte an, über die man sich in jedem Fall Gedanken machen sollte, wenn man plant, als Au-Pair ins Ausland gehen zu wollen.
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Also ich muss sagen, dass ich „Au-Pair sein“ richtig schön finde! Wenn ich mit den Jungs zusammen bin, haben wir meistens Spaß und es ist immer schön das Lachen eines Kindes zu hören. Jedoch muss ich leider sagen, dass ich nicht die perfekte Familie gefunden habe, was mir aber erst jetzt, nach etwas mehr als drei Monaten auffällt. Die ersten zwei Monate waren richtig schön, ich hatte viel zu sehen, musste mich einleben, konnte Neues erkunden und ich habe meistens gedacht, dass das mit dem Kontakt in der Familie mit der Zeit kommt. Jetzt habe ich aber festgestellt, dass es einfach einige Sachen gibt die mir nicht so gefallen. Meine Gastfamilie hat ein Au-Pair, weil die Mutter für sechs Monate 3,5 Stunden entfernt arbeitet und deshalb nur am Wochenende nach Hause zurückkommt. Somit fehlt hier etwas die weibliche (und somit gesprächigere) Kontaktperson. Der Vater ist halt morgens schon ganz früh arbeiten und hat auch noch einen zweiten Job, weswegen er auch oft nachts noch weg ist. Wenn er mal zuhause ist, sitzen er und die Jungs fast immer vor den TV und er auch am Handy.
Durch seine Arbeitszeiten hat auch nicht so die Lust zum Kochen, weswegen es eigentlich immer Fertiggerichte oder „takeaway“ gibt (mindestens einmal pro Woche Pizza). Da ich Vegetarierin bin und die Familie aber Huhn und Fleisch über alles liebt, muss ich mir auch oft etwas selbst kochen (das ist nicht so das Problem), aber ich werde leider nicht zum Abendessen gerufen und wir essen oft getrennt und wenn dann sitzen sie vorm TV und reden nicht miteinander (bin ich so nicht von zu Hause gewöhnt). Auch wenn die Mutter am Wochenende da ist, ist sie so erschöpft, dass sie die Tage oft alle zusammen im Schlafzimmer vor dem Fernseher verbringen, weshalb wir auch dann keinen großen Kontakt haben.
Da die Jungs von 8:45 bis 15 Uhr in der Schule sind, habe ich hier viel Freizeit, wobei auch einiges für den Haushalt draufgeht. Ich wohne in einem kleinen Vorort von Sydney, wo nur Familien und Rentner wohnen, wo es außer einer kleinen Mall nichts gibt und es auch zu lange dauert, um mit dem Bus irgendwo hinzufahren. Ich habe leider keinen Führerschein und hätte hier eh kein Auto, aber das schränkt die Mobilität doch ziemlich ein. Mittlerweile wird es manchmal etwas langweilig, aber inzwischen habe ich ein paar Beschäftigungen und auch noch paar Pläne. Hier ist aber eben auch die Gefahr von Heimweh, wenn man alleine im Haus herumsitzt und nicht rauskommt. Auch merke ich, dass es einige Unterschiede in den Erziehungsmethoden gibt und da ich den Jungs eben nicht alles durchgehen lasse, sondern eben mal was verbiete, stehe ich manchmal als die Böse da (bzw. ich fühle mich so, vor allem wenn ich von den Jungs an den Wochenenden total ignoriert werde).
Das klingt jetzt alles ziemlich schrecklich oder? Naja, ich werde es jetzt hoffentlich noch bis Ende Januar aushalten und dann gehe ich als Au-Pair zu einer anderen Familie, die so ziemlich das Gegenteil von hier ist, falls ich die Zusage bekomme (also „Au-Pair sein“ ist immer noch ziemlich toll). Das Wichtigste ist natürlich die richtige Familie.

Als Tipp: mache dir genaue Gedanken, wie du dir das Leben in der Familie vorstellst und was du dir wünschst. Frage am besten bei Skype-Gesprächen nach, wie es in der Familie aussieht. Sei ehrlich zu dir selbst und nimm nicht die erstbeste Familie, sondern warte lieber und geh nicht zu viele Kompromisse ein. Willst du auch unter der Woche viel Freizeit zum Erkunden haben oder nicht? Das hängt dann auch mit dem Alter der Kinder zusammen - die über 6 sind an 5 Tagen in der Woche eben in der Schule - Freizeit - und die unter 4-Jährigen hat man oft den ganzen Tag über, weshalb man sich schlecht mit anderen treffen kann und eben nicht so oft aus dem Haus kommt.
Ich dachte am Anfang, dass ich hier die perfekte Familie gefunden habe und war mir da auch ziemlich sicher, jetzt ist mir klargeworden, dass ich nicht so genau darüber nachgedacht habe, was ich mir denn wirklich wünsche und was mir selbst wichtig ist, auch was ich von dieser Zeit als Erfahrungen mitnehmen möchte für mein Leben.
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Vielen Dank für Ihre Anregungen, Natascha – und wir hoffen natürlich sehr, dass die restliche Zeit als Au-Pair in Australien noch viel besser werden wird!