
Au-Pair in Irland - ein Erfahrungsbericht von Antonia
Inzwischen ist Antonia schon seit sieben Monaten als Au-Pair in Irland – sie schreibt einen tollen Blog über ihre Zeit dort, den ich immer wieder sehr gerne lese. Auch für uns hat sie einen Gastbeitrag geschrieben, in dem sie über die unterschiedlichen Seiten des Au-Pair-Daseins berichtet. Viel Spaß beim Lesen!
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Vor ungefähr einem Jahr traf ich endgültig die Entscheidung, nach dem Abi als Au Pair ins Ausland zu gehen. Ich hatte diesen Entschluss eigentlich verworfen, als ich mit meinem Freund zusammen kam, doch allein der Gedanke, ein weiteres Jahr Zuhause zu sein, in derselben Stadt mit denselben Leuten, war unerträglich. Ich musste weg, wollte die Welt sehen, Menschen treffen, Orte entdecken, mich selbst finden.
Heute, ein Jahr später, bin ich hier in Irland. Seit 5 Monaten schon lebe ich hier, habe wunderbare Freunde gefunden, die mich mein Leben lang begleiten werden, habe Orte gesehen, die ich nie wieder vergessen werde, die mich sprachlos ließen.
Wie ist das Leben als Au Pair so? Ich wünschte, ich hätte damals jemanden gehabt, der mich auf alles vorbereitet. Im Internet findet man immer das, was alle hören wollen: wunderbare Erfahrungen, tolle Menschen, glückliche Familien. Was ist da dran?
Ich bin in eine wirklich tolle Familie mit drei wunderbaren Kindern gekommen. Ich muss gestehen, dass ich mit der jüngsten Tochter lange Probleme hatte, da sie mich nicht wirklich als Autorität oder Bezugsperson angenommen hat. Inzwischen aber liebe ich die kleine unglaublich, wie auch ihre beiden Geschwister. Ja, es gibt Tage, an denen ich die Kinder eher als „Monster“ bezeichnen würde, aber meistens sind sie meine liebevollen Rabauken. Und wenn mal ein schlechter Tag kommt, und glaubt mir, die gibt es auch, dann hilft es, sich kurz im Klo einzuschließen, tief durchzuatmen und manchmal ist es auch voll in Ordnung (und notwendig!), eine heimliche Träne zu vergießen. Denn ja, manchmal ist es zum Heulen. An den Tagen kommt alles zusammen: das Heimweh, das nie wirklich ganz weg geht, die Kinder, die halt nicht die eigenen sind und manchmal eben doch nerven und nicht hören und, wenn man in der sehr bemitleidenswerten Lage der Fernbeziehung ist (ich spreche hier aus Erfahrung), dann fehlt einem der liebste Mensch auf Erden auch. Mein Freund fehlt eh. Immer. Es gibt keine Sekunde, in der ich nicht wünschte, dass er hier wäre. Skype ist wundervoll! Und kleine Sachen helfen schon: tagsüber schicken wir uns Fotos hin und her. Manchmal von den Kindern, manchmal aus Berlin, von den Orten, die ich am Wochenende sehe. Von selbstgekochtem Essen. Von den Bastelstunden mit den Kindern. Sonntags verabreden wir uns zum gemeinsamen Frühstück bei Skype. Dadurch wird die Sehnsucht etwas erträglicher. Auch meine Eltern fehlen mir ungemein! Ehrlich, das hätte ich im Voraus nicht erwartet. Ich liebe meine Eltern, aber wie jeder Teenager hielt ich mich für unbesiegbar und dachte, ich sei der klügste Mensch der Welt und meine Eltern verstünden mich nicht. Und ich war so sehnsüchtig danach, mein eigenes Leben zu leben. Jetzt bin ich hier, 2000 Kilometer von Zuhause weg und meine Eltern und meine Schwester fehlen mir mehr, als ich je gedacht hätte. Manchmal muss man ganz weit weg sein, um zu wissen, wo man zuhause ist.

Die scheiß Tage werden kommen: egal, wie sehr man seine kleinen Racker liebt (und glaubt mir, auch, wenn ihr vorher sagt, sind ja „nur fremde Kinder“, diese Flöhe werdet ihr in euer Herz schließen!), irgendwann fehlt der Geruch von Zuhause, die Freiheit, im Bett zu bleiben, solange man will. Der Regen nervt irgendwann und man sehnt sich mal wieder nach der Sonne und an manchen Tagen haben Kinder einfach zu viel Energie. An diesen Tagen sind Freunde das Beste, was einem passieren kann. Sucht euch so schnell es geht Freunde! Einheimische Freunde sind immer super, die kennen sich natürlich am Besten aus und wissen, wie die Leute ticken, wo man das beste Bier bekommt, wo das Essen am leckersten ist, wie man ein Busticket kauft. Aber die verstehen es nicht. Die verstehen eben nicht, wie es ist, Heimweh zu haben und wie die Kinder einen hin und wieder eben doch zum Wahnsinn treiben. Versucht, andere Au Pairs kennenzulernen (das passiert schneller, als ihr gucken könnt. Au Pairs sind überall!), denn die sind ebenfalls von Zuhause weg und genauso neu in der Situation wie man selbst. Das sind die Leute, bei denen man sich mal so richtig auskotzen kann, wenn die Kinder anstrengend sind oder die Gasteltern nicht nachvollziehen können, dass man, wenn der Freund dann endlich mal zu Besuch kommt, sich das Bett gerne mit dem Liebsten teilen möchte. Last but not least, andere Au Pairs sind mindestens genauso neugierig, das Land zu entdecken! Und hiermit, nehmt den letzten Tipp von mir an: Reist! Reist so viel es geht! Versucht bloß nicht, zu sparen, um Himmels Willen, ihr werdet scheitern, ich habe es ebenfalls versucht. Schmeißt euer Geld um euch, steigt in den Zug oder Bus und seht das Land! Ich lebe ziemlich nahe an Dublin dran und Dublin ist eine fantastische Stadt, doch Irland bietet so viel Atemberaubendes. Anfangs schmerzt es vielleicht noch, 50€ für eine Tagestour auszugeben, aber wenn man erst einmal am Abgrund der Cliffs of Moher steht oder im Fern Garden am Blarney Castle spaziert, dann weiß man, dass es die beste Art ist, Geld zu verschwenden. Bleibt über Nacht in fremden Städten, verlauft euch dort, wenn ihr zu viel getrunken habt. Ihr werdet es nicht bereuen. Macht das Beste aus der Zeit. Geht in Pubs, esst Apple Pie und vergesst einfach mal die Kalorien, hört Straßenmusikern zu und nehmt euch vor, jeden Winkel eures Gastlandes zu erkunden.
Bin ich glücklich als Au Pair? Ja! Ich liebe meine Gastkinder und wenn ich an die Heimreise denke, bin ich zwar voller Vorfreude auf meine Familie, meinen wunderbaren Freund, mein Zuhause, aber die Kinder, Irland, Dublin, all das wird mir fehlen. Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich meinen Freund für eine Weile verlassen und dafür die Welt sehen soll. Der Abschied von Familie und Freunden ist schwer und das Heimweh schleicht sich immer ein, aber ich weiß, dass ich es nie bereut habe und auch nie bereuen werde, diesen Weg gegangen zu sein. Meine Freunde sind inzwischen alle in der Uni. Ich weiß, ich hätte mich ewig gefragt, wie es hätte sein können, ins Ausland zu gehen. Noch wäre ich nicht bereit gewesen, zu studieren. Ich bin überglücklich, als Au Pair nach Irland gekommen zu sein. Es ist ein wunderschönes Land mit tollen Menschen und grandiosen Orten und man lernt unglaublich viel über Kindererziehung. Ehrlich, inzwischen käme ich mir mit einem eigenen Kind vermutlich gar nicht mehr so überfordert vor wie noch vor einem Jahr. Man lernt dazu, auch über sich selbst. Die Welt ist wunderschön. Man muss nur losziehen.
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Irland ist ganz sicher einen Besuch wert – wer weitere Gründe für einen Au-Pair-Aufenthalt dort sucht, dem/der sei auch mein Beitrag aus dem März 2014 zur Lektüre empfohlen.
Noch einmal vielen Dank für Ihren Bericht, Antonia! Wir wünschen Ihnen weiter eine tolle Zeit!