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Au-Pair aus Armenien

Erwartungen an Au-Pairs aus Armenien

Judith Liehr·13. November 2014

Die Republik Armenien ist seit 1991 unabhängig. Das Land wurde bereits im Jahr 301 zum erste offiziellen, christlichen Staat der Welt erklärt. Generell spielen Kultur und Bildung im öffentlichen Leben des Landes eine große Rolle. Das Schulsystem in Armenien ist inzwischen zweistufig: Die Grundschule besuchen Schüler/innen der 1. bis 9. Klasse, die Oberschule ist für die Klassen 10-12. Es fehlen allerdings in vielen Bildungseinrichtungen oftmals noch Mittel für eine ausreichende Ausstattung und eine adäquate Bezahlung von Lehrkräften. Ausländische Stipendien oder Austauschprogramme wie das Au-Pair-Programm sind bei der jungen Generation des Landes sehr gefragt.

Wie schon in den Berichten über Au-Pairs aus Madagaskar, Au-Pairs aus Georgien, Au-Pairs aus der Mongolei, Au-Pairs aus Kolumbien, Au-Pairs aus Nepal und Au-Pairs aus China habe ich auch für diesen Artikel unsere Partnerorganisation vor Ort gebeten, uns einige Fragen zu beantworten, um Ihnen einen Einblick in das Land und die Vorbereitung der zukünftigen Au-Pairs zu geben.

1. Wie bereiten sich die Au-Pairs auf den Aufenthalt in Deutschland vor und wie lange dauert der ganze Vorbereitungsprozess in etwa?

Der ganze Vorbereitungsprozess für den Au-pair Aufenthalt dauert mindestens sechs Monate. Zunächst müssen die Bewerberinnen Deutsch lernen, um die A1 Prüfung am Goethe-Institut mit guten Noten abzulegen. Während dieser Vorbereitungszeit geht es aber nicht nur um den Spracherwerb, sondern zukünftige Au-Pairs beschäftigen sich auch intensiv mit der Kultur, mit Sitten und Brauchtum, Traditionen in Deutschland kennen. Wer noch keine ausreichenden Referenzen in der Kinderbetreuung nachweisen kann, sammelt auch auf diesem Gebiet weitere Erfahrungen.

2. Was sind wichtige kulturelle Unterschiede, die man als Gastfamilie kennen sollte, wenn man ein Au-Pair aus Armenien einlädt?

Die junge Generation in Armenien respektiert die Älteren. Die Armenier sind im Allgemeinen sehr traditionsbewusst und familiär, ehrlich und gutherzig. Die meisten Menschen hier lieben es, die Zeit mit der Familie zu Hause verbringen. Die Familie hat im Leben der meisten Armenier eine zentrale und sehr wichtige Bedeutung. Die Menschen sind immer hilfsbereit und zielstrebig. Nach unserer Erfahrung können sich die Au-Pairs in einer Gastfamilie recht gut integrieren.

Viele Au-Pairs kommen aus Jerewan

3. Gibt es Unterschiede in der Kindererziehung?

Die Kinder bilden in den armenischen Familien den Mittelpunkt. Die Menschen hier erziehen ihre Kinder mit Liebe und Aufmerksamkeit. Sie geben den Kindern ihre Liebe, aber nicht ihre Gedanken. Man lehrt die Kinder in den armenischen Familien ihre eigenen Gedanken haben, aber auch die ältere Generation zu respektieren. Da die Ausbildung in Armenien sehr wichtig ist, streben alle Familien danach, ihren Kindern eine möglichst gute Ausbildung zukommen zu lassen.

4. Wo sind Unterschiede in der Ernährung zu finden?

Armenische Küche ist sehr originell und lecker. Ihr Geheimnis sind die vielen Gewürze, mit denen die Armenier ihre Speisen reichlich würzen. Das sind vornehmlich Zimt, Nelke, Vanille, Koriander, Basilikum, Estragon und Minze. Ein beliebtes Gericht für Armenier ist Tolma - gut gewürztes Hackfleisch in Kohl- oder Weinblättern gerollt. Bekannt ist auch die armenische Suppe - Spas oder Tanapur. Sie ist der deutschen Buttermilchsuppe sehr ähnlich. Armenien hat auch viele Käsesorten und ist an Brotarten sehr reich. Nur hier backt man Lawasch – Brot so dünn wie Papier. Vegetarische Gerichte und verschiedene Früchte sind in Armenien ebenfalls sehr beliebt.

5. Was versprechen sich die Au-Pairs von einem Aufenthalt in Deutschland?

Zuerst möchten alle unsere Bewerberinnen die Kultur, Sitten und Bräuche in Deutschland kennenlernen. Da die Deutsche Sprache in Armenien auch verbreitet ist, gibt es relativ viele Deutschlerner/innen. Alle Bewerberinnen glauben, dass man in keinem Ort eine Fremdsprache so gut lernen kann, wie in dem Land, wo die Sprache benutzt wird. Sie möchten ihre Deutschkenntnisse verbessern und natürlich mehr Erfahrung in der Kinderbetreuung sammeln. Dieses Programm gibt den Bewerberinnen die Möglichkeit, das Land und seine Sehenswürdigkeiten wirklich kennenzulernen. Auch können sie während des Au-pair Jahrs viele neue Kenntnisse und Erfahrungen zu sammeln.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Sollten Sie ein Au-Pair aus Armenien einladen, so lassen Sie sich unbedingt einmal die armenische Schrift zeigen! Ein sehr interessantes Thema – sie wurde zu Beginn des 5. Jahrhunderts geschaffen, wobei die Abfolge der Laute dem griechischen Alphabet entnommen wurde.

Au-PairGastfamilie