
Erwartungen an Au-Pairs aus der Mongolei
Sehr oft werde ich von Gastfamilien gefragt, ob der Kulturschock für Au-Pairs aus der Mongolei nicht zu groß sein würde, ob sie sich hier wohlfühlen und zu Recht kommen könnten, oder ob die kulturellen Unterschiede nicht zu eklatant sein würden. An dieser Stelle möchte ich Voraus schicken, dass ich persönlich schon seit mehr als zehn Jahren Au-Pairs aus der Mongolei nach Deutschland vermittele – und das nach wie vor sehr gerne und erfolgreich. Es gibt dort wesentlich mehr Deutsch-Lerner, als man erwarten könnte; so senden wir auch deutsche Programmteilnehmer als Freiwillige und als Sprachtutoren, die dort Deutsch unterrichten, in die Mongolei. Neben Deutsch sprechen viele junge Menschen dort Englisch, Russisch, Japanisch oder Chinesisch. Das Tourismus in diesem Land, das etwa viermal so groß ist, wie Deutschland, aber nur rund 2,8 Millionen Einwohner hat, entwickelt sich stetig weiter. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Ulaanbaatar – dem Dreh- und Angelpunkt des Landes. Als Gastfamilie können Sie davon ausgehen, dass auch Ihr zukünftiges Au-Pair dort lebt, denn nur hier (oder in 2-3 anderen Städten des Landes) gibt es Universitäten, Sprach- und Vorbereitungskurse. Das heißt, alle zukünftigen Au-Pairs sind das Leben in einer Großstadt, mit all seinen „Segnungen", durchaus gewohnt, selbst wenn viele von ihnen in der Tat noch Verwandte haben, die beispielsweise in einem Ger (Jurte) in der Steppe leben und dort Viehwirtschaft oder Pferdehaltung betreiben. Interessant ist es auch zu wissen, dass in der Mongolei sehr viel in die Ausbildung von Töchtern investiert wird. Während Söhne häufiger ihre Ausbildung nach Beendigung der allgemeinen Schulpflicht beenden, um ihre Eltern bei der Arbeit zu unterstützen, sind rund 70 Prozent der an mongolischen Universitäten eingeschriebenen Studenten weiblich.
Um Ihnen ein möglichst genaues Bild von Ihrem zukünftigen Au-Pair zu geben, finden Sie nachfolgend ein Interview mit der Leiterin einer unserer Partnerorganisationen in Ulaanbaatar. Ich kenne die Dame seit einigen Jahren persönlich – so hat sie, vor vielen Jahren, selbst ein Au-Pair-Jahr in Deutschland verbracht und kennt daher sowohl das Leben hier, als auch die Anforderungen an zukünftige Au-Pairs, sowie auch die Chancen, die dieses Programm seinen Teilnehmern bietet, aus eigener Hand.
Wie bereiten sich die Au-Pairs auf den Aufenthalt in Deutschland vor und wie lange dauert der ganze Vorbereitungsprozess in etwa? „Unsere Au-Pairs bereiten sich parallel in zwei Richtungen vor – Spracherwerb und Kinderbetreuung. Die meisten Bewerber/innen lernen bei uns Deutsch ab der Anfängerstufe, d.h. sie belegen einen Intensivkurs, der drei Monate dauert und 180 Unterrichtsstunden umfasst. Zusätzlich zum Unterricht empfehlen wir noch den online-Kurs der Admovi-Akademie, um die Kenntnisse zu vertiefen. Unsere Kursteilnehmer erreichen nach dieser Zeit den Level A2/1 und können, fast immer erfolgreich, die A1-Zertifikatsprüfung am örtlichen Goethe-Institut ablegen. Die allermeisten unserer Bewerber/innen sind wirklich sprachtalentiert – eine Gastfamilie kann sich darauf verlassen, dass ihr Au-Pair seine/ihre Sprachkenntnisse in Deutschland sehr schnell verbessern und ausbauen wird. Weiterhin müssen unsere Au-Pairs einen Kinderbetreuungs-Kurs belegen, der sich speziell an die Anforderungen des Au-Pair-Programms im Ausland richtet. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die allermeisten Bewerber/innen zwar bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet haben, dies sich jedoch oftmals nur auf eigene jüngere Geschwister oder Verwandte bezieht. Es ist schon etwas ganz anderes, wenn man sich um „fremde" Kinder kümmern möchte. Optional kann man im Rahmen dieser Schulung auch noch zusätzlich einen Hauswirtschaftslehrgang belegen.
Der letzte Baustein ist unser hauseigener Au-Pair-Trainingskurs, in dem wir die Programmteilnehmer/innen mit allen wichtigen Punkten des Programms selbst vertraut machen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Vertragsbestandteile, sprechen über Dinge wie den Umgang mit Heimweh oder einem Kulturschock, den Umgang mit Konflikten, oder auch Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung im Ausland."

Was sind wichtige kulturelle Unterschiede, die man als Gastfamilie kennen sollte, wenn man ein Au-Pair aus der Mongolei einlädt? „Die Menschen in der Mongolei sind insgesamt eher zurückhaltender, als das in Deutschland der Fall ist. Innerhalb eines Familienverbandes werden die Älteren geehrt, das heißt, dass man ihnen automatisch einen gewissen Respekt zollt. Gerade junge Menschen, wie unsere Au-Pairs, sind es daher nicht unbedingt gewohnt, immer direkt zu sagen, was sie selbst meinen oder was sie möchten. An dieser Stelle sollte man ein wenig Geduld haben und das Au-Pair auch dazu auffordern, sich frei zu äußern. Hat eine mongolische Familie Besuch, so wird stets nur die Hausfrau Getränke oder Essen anbieten. Eine Gastfamilie sollte ihrem Au-Pair daher unbedingt zeigen, wo sich was befindet und nachdrücklich (manchmal auch mehrfach) darauf hinweisen, dass es dem Au-Pair erlaubt ist, bzw. dass es gewünscht ist, dass sie/er sich, bei Bedarf, selbst etwas aus der Küche zu essen oder zu trinken holen kann. Eine solche „Selbstbedienung" könnte nämlich hier bei uns auch sehr unhöflich sein."
Gibt es Unterschiede in der Kinderbetreuung? „Die Atmosphäre in den mongolischen Familien ist meist sehr innig, warmherzig und verständnisvoll. Jüngere Kinder werden von ihren älteren Geschwistern verantwortungsvoll und pflichtbewusst betreut. Die Familienverbände sind oft sehr groß und beinhalten natürlich auch viele Kinder unterschiedlichen Alters."
Wo sind Unterschiede in der Ernährung zu finden? „In der Mongolei wird eigentlich fast jeden Tag Fleisch gegessen. Die Menschen hier mögen aber auch Gemüse, hin und wieder Geflügel oder Fisch. Viele unserer Au-Pairs berichten, dass es ihnen in den ersten Wochen schwer gefallen ist, nicht so viel Fleisch zu essen, dass sie sich aber recht schnell daran gewöhnt haben. Was hier nicht so sehr bekannt ist, sind Gerichte mit Meeresfrüchten, oder auch asiatische Speisen mit unterschiedlichen Fleischsorten."
Was versprechen sich die Au-pairs von einem Aufenthalt in Deutschland? „Sie alle wollen natürlich ihre neue Fremdsprache, nämlich Deutsch, vor Ort wirklich gut erlernen und die Kultur und Menschen in Deutschland kennenlernen. Sie möchten ihren Horizont erweitern, sich weiterbilden und einen anderen Lebensstil erfahren. Die/der eine oder andere denkt vielleicht auch an ein Auslandsstudium in der Zukunft – in jedem Fall aber, ist eine Auslandserfahrung für unsere jungen Menschen, wie überall auf der Welt, ein großes Plus im Lebenslauf."
Was meinen Sie? Können Sie sich vorstellen, ein Au-Pair aus der Mongolei in Ihre Familie einzuladen? Dieser Artikel hat hoffentlich dazu beigetragen, Ihnen einiges an Informationen zu liefern. In den nächsten Monaten werde ich Ihnen an dieser Stelle weitere Herkunftsländer von Au-Pairs vorstellen, damit Sie sich ein besseres Bild machen können.