
Freiwilligenarbeit im Ausland – ist das sinnvoll oder nur „in“?
Um es gleich vorweg zu nehmen – wir sprechen hier nicht von Bundesfreiwilligendiensten, oder einem freiwilligen sozialen Jahr, sondern von Freiwilligenarbeit, die im Ausland für einen relativ kurzen Zeitraum, d.h. zwei Wochen bis drei Monate geleistet wird. Nun, eine Modeerscheinung würde ich es nicht nennen, richtig aber ist, dass die Zahl der sogenannten „Voluntouristen" seit den frühen 2000er Jahren kontinuierlich steigt. Selbstverständlich steigt damit auch die Zahl der Projekte weltweit.
Bereits in den 80er Jahren entstanden, als Alternative zum Massentourismus, Konzepte wie der Öko-Tourismus, verantwortlicher oder nachhaltiger Tourismus. Daraus wiederum entwickelte sich gegen Ende des Jahrhunderts der sogenannte Voluntourismus.
Viele Menschen jeden Alters haben durchaus den Wunsch, sich zu engagieren, am Besten auf einem Gebiet, das den eigenen Interessenschwerpunkten und Fähigkeiten naheliegt, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen – was also liegt näher, als all das „unter einen Hut zu bringen".
Wie ist Freiwilligenarbeit vom Voluntourismus abzugrenzen?
Ganz klar – das ist abhängig von Freizeitanteil des jeweiligen Programms. Wer Freiwilligenarbeit leistet ist bereit, seine Arbeitskraft in den Dienst einer guten Sache zu stellen – ob das nun im Ausland stattfindet oder im eigenen Land ist an dieser Stelle unerheblich. Freiwilligenarbeit leistet aber auch der Voluntourist – nur soll dies hier von vornherein auch mit einer Reiseerfahrung verbunden werden. In beiden Fällen ist Voraussetzung sicherlich ein recht hohes persönliches Engagement (denn anderenfalls könnte man ja auch einfach Urlaub machen) und eine gewisse Uneigennützigkeit (Geld bekommen die Freiwilligen nicht – im Gegenteil, sie müssen für ihren Einsatz bezahlen).

Wie sinnvoll sind solche Freiwilligenprogramme?
Gemeint ist an dieser Stelle zunächst der nachhaltige Einfluss am Projektort. Nun – darüber lässt sich streiten und es gibt sicherlich unterschiedliche Standpunkte. Es beginnt damit, dass die Freiwilligen meist nicht lange genug vor Ort sind um feststellen zu können, ob und wenn ja welche direkten oder indirekten Auswirkungen ihr Einsatz hat. Auch wird immer wieder diskutiert, ob und warum Freiwillige oftmals in separaten Unterkünften leben, die einen höheren Standard haben, als den, der den Einheimischen zur Verfügung steht. Wäre es nicht sinnvoller stets bei einer Gastfamilie zu leben? Für mich steht der Kulturaustausch stets an erster Stelle – und ein solcher Austausch findet ganz sicher statt. Ebenso sicher ist, dass genau daraus jede/r der/die an einem solchen Programm teilnimmt, ob als Freiwillige/r oder Voluntourist, den größten persönlichen Nutzen hat. Auf dieses Thema werde ich in den nächsten Wochen mit einem weiteren Artikel näher eingehen.
Um irgendwo auf der Welt nachhaltige Veränderungen bewirken zu können, müssen wir zunächst etwas lernen – über das Land, die Menschen, ihre Kultur und das, was sie wirklich bewegt, bzw. wo unsere Hilfe ansetzen sollte. Genau aus diesem Grund finden wir es eben wichtig und sinnvoll, dass es solche unterschiedlichen Programme und Möglichkeiten gibt und wir freuen uns, sie anzubieten.