
Freiwilligenarbeit in Kanada - ein Erfahrungsbericht
Ich hatte vor an einem Freiwilligenprogramm im Ausland teilzunehmen –doch was ich machen wollte, oder wohin es gehen sollte, das wusste ich selbst nicht so genau. So surfte ich etwas ziellos durchs Internet und sah mir so dies und das an. Als ich die großartigen Fotos von den kanadischen Rocky Mountains sah, war es um mich geschehen. Ich wusste, da –und nur da –wollte ich hin!
Ein paar Monate später reiste ich tatsächlich nach Kanada in den Banff National Park, der mitten in den Bergen liegt. Dort traf ich auf fünf weitere international Freiwillige, mit denen ich für die Programmdauer zusammen wohnen würde. Am Anfang waren wir alle sehr aufgeregt, denn keiner wusste so wirklich, was auf uns zu kommen würde. Dazu kam noch, dass am Tag unserer Anreise ein junger Mann von einem Puma attackiert worden war. Wir waren geschockt: 1. Weil uns bewusst wurde, dass das hier echte Wildnis war, und 2. Weil wir noch nicht einmal gewusst hatte, dass es hier Pumas gab! Doch unsere anfängliche Furcht verblasste bald: In den ersten Tagen absolvierten wir ein hervorragendes Trainingsprogramm, bei dem wir nicht nur alles Wichtige lernten, sondern auch viel Spaß hatten. Die engagierten Verantwortlichen vor Ort nahmen sich sehr viel Zeit und gingen auf unsere Fragen ein. Man konnte spüren, wie sehr die Parkangestellten ihren Park und ihre Arbeit lieben. Diese Freude und diesen Stolz an uns Freiwillige zu übertragen, macht den Kern des Projektes aus. Als Freiwilliger soll man zum Botschafter des Parks werden. Nach den Orientierungstagen, fühlten wir uns sehr gut vorbereitet. Darüber hinaus war es beruhigend, dass wir nie alleine losgeschickt wurden. Wir Freiwilligen waren immer zusammen eingeteilt und bekamen außerdem einen total netten Programmkoordinator an die Seite gestellt. Sicherheit stand immer an erster Stelle. Wir fühlten uns allzeit sehr gut aufgehoben.

Da ich mir die Arbeit sehr hart vorgestellt hatte, wurde ich positiv überrascht: Mit einem gewissen Maß an Grundfitness konnte man alles gut bewältigen. Das Arbeitsprogramm war außerdem sehr abwechslungsreich: Wanderwege kontrollieren, Wildtierzäune ausbessern, Müll aufsammeln, in der Touristeninformation helfen, invasive Pflanzen entfernen, Bänke restaurieren... Es wurde wirklich nie langweilig!
Des Weiteren darf man nie vergessen, in was für einer Szenerie man arbeitet: Die Landschaft ist einfach wunderschön! Und sogar Müllaufsammelaktionen bekommen einen ganz neuen Reiz, wenn man dabei auf Elche und Bären trifft! Neben der Arbeit, war auch immer für Spaß gesorgt. Es wurde immer darauf geachtet, dass wir die Highlights des Parks nicht verpassten. So wurden für uns Fotostopps eingelegt oder extra Wanderungen unternommen.
In unserer Freizeit nahmen wir an Kurs- und Freizeitangeboten im Ort teil. Banff zeichnet sich durch ein sehr aktives Gemeindeleben aus. Dort ist immer etwas los! Die Leute sind super aufgeschlossen und nett, sodass man schnell Anschluss findet und viel erleben kann. Ein weiterer Vorteil des Programms ist, dass man ein Fahrrad zur Verfügung gestellt bekommt. Auf diese Weise kann man schnell in den Ort radeln, kleinere Besorgungen erledigen oder einfach die Gegend erkunden.
An den freien Tagen kann man auch etwas Größeres unternehmen. Wir sind zum Beispiel campen gegangen und haben an einer Rafting-Tour teilgenommen.
Das Programm lebt jedoch nicht nur von der atemberaubenden Natur und den neuen Arbeitserfahrungen, sondern auch von den Teilnehmern selbst. Als Freiwilliger wird man Teil eines internationalen Teams. Dieses multikulturelle Umfeld macht einen weiteren Reiz aus und lässt einen vieles mit ganz anderen Augen sehen: Mit einer aufgedrehten Koreanerin, die zum ersten Mal in einer Seilbahn sitzt, wird eine Gondelfahrt zu einem ganz neuen Erlebnis.
Da man gemeinsam das ein oder andere „Abenteuer" besteht, entwickelt man bald eine eingeschworene Gemeinschaft. Als unser Monat vorbei war, waren wir richtig traurig. Am liebsten wären wir gemeinsam den ganzen Sommer in den kanadischen Bergen geblieben!
Du fragst dich, ob dieses Programm auch etwas für dich sein könnte? Du solltest einigermaßen sportlich und fit sein. Man ist wirklich viel draußen und unternimmt große Wanderungen. Außerdem solltest du gesellig und gerne unter Leuten sein, da man fast nie alleine ist. Wenn du gerne wanderst, vielseitig interessiert bist und einfach einen perfekten Monat in den Bergen verbringen möchtest, dann bist du hier genau richtig!
