
„Helau“ und „Alaaf“ – der Höhepunkt der fünften Jahreszeit ist erreicht
Wie bei allen Festen, lieben es die einen und hassen es die anderen. Einmal im Jahr dürfen alle „närrisch" sein – ob es nun Karneval, Fasching oder Fastnacht heißt, jede(r) darf sich richtig austoben, bevor am „Aschermittwoch alles vorbei ist" und die lange Fastenzeit bis Ostern eingeleitet wird. Das Wort „Karneval" stammt übrigens vermutlich aus dem Italienischen „carne vale" – was soviel wie „Fleisch, lebe wohl" bedeutet.
Die Hochburg des närrischen Treibens in unserer Region ist natürlich Frankfurt. Den Höhepunkt bildet am Sonntag der Fastnachtszug mit tausenden Teilnehmern aus mehr als 90 Verbänden und Vereinen. Für viele Kenner aus der Region ist allerdings der Stadtteilumzug in Heddernheim, von Einheimischen „Klaa Paris" genannt, der Allerschönste dieser Umzüge.
Wie immer zu solchen Gelegenheiten finde ich es sehr interessant mir vorzustellen, was unsere Programmteilnehmer im Europäischen Ausland, oder in anderen Teilen der Welt, gerade erleben – wie Karneval dort gefeiert wird.
Karneval in Europa
Au-Pairs, die gerade in der Schweiz sind, könnten uns erklären, was die sogenannten „Guuggemusige“ in Luzern sind (Gruppen von lustig verkleideten Menschen, die musizierend durch die Straßen ziehen). Sie können erleben, wie in Bern der Karnevalsbär feierlich befreit wird oder wie in Basel am Montag nach Aschermittwoch um punkt vier Uhr alle Lichter der Stadt ausgehen und die Fastnachtstruppen mit ihren Laternen durch die Stadt ziehen.

Karneval in Venedig zu erleben und sich bei dieser Gelegenheit eine der venezianischen Masken zu kaufen ist sicher etwas ganz besonderes, das sich unsere Au-Pairs und Sprachtutoren in Italien möglichst nicht entgehen lassen sollten. Ein Highlight dieses weltbekannten Karnevals ist der „Vollo del’angelo“ (Flug des Engels) auf dem Piazza de Marco: da schwebt dann jemand aus der italienischen Prominenz vom Glockenturm „Campanilo di Giotto“ auf den Platz hinab und verkündet die Karnevalsbotschaft.
Der drittgrößte Karneval der Welt findet übrigens in Cádiz/Spanien statt. Die Feierlichkeiten unterscheiden sich nicht so sehr von denen bei uns in Deutschland – die Umzüge sind farbenfroh, laut und schön, aber Au-Pairs und Sprachtutoren, die daran teilnehmen können, haben zudem die Gelegenheit das tolle Treiben bei wärmeren Temperaturen zu genießen.
Wer immer gerade als Au-Pair oder Sprachtutor in Frankreich ist, sollte sich den Karneval in Nizza anschauen – wohl der bekannteste in Frankreich, während dessen die ganze Stadt in einem Meer von Blumen und Blüten versinkt. Neben jeder Menge Musik kann man dort die „Batailles des Fleurs“ (Blumenschlachten) erleben, bei der Chrysanthemen, Rosen, Gerbera und Mimosen durch die Luft fliegen.
Auch in England gibt es einen Karneval – so ziehen durch Londons Notting Hill drei Tage lang lange Umzüge, allerdings findet das im Sommer statt! Es gibt zu unserer Faschingszeit aber einen anderen, lustigen Brauch, den unsere Au-Pairs dort hoffentlich miterleben können: am „Shrove Tuesday“ (Faschingsdienstag) darf noch einmal so richtig ungesund gegessen werden. Traditionell gibt es dann Pancakes (deswegen wird der Tag auch oft“ Pancake Day“ genannt und es finden Pfannkuchenrennen statt. Viele Menschen ziehen sich lustige Klamotten an, backen zu Hause einen Pfannkuchen und rennen mit dem Pfannkuchen in der Pfanne durch die Gegend. Um das Ganze aufregender zu gestalten, muss der Pfannkuchen während des Rennens durch Hochwerfen umgedreht werden!
Karneval in anderen Teilen der Welt
Es gibt sicher niemanden, dem der Karneval in Rio kein Begriff ist. Wer sich gerade als Sprachtutor oder Freiwillige(r) dort aufhält, wird sich Farbenpracht und Einzigartigkeit dieses Spektakels sicher nicht entgehen lassen. Die Farbenpracht und Einzigartigkeit der Parade der „Escolas de Samba“ im „Sambódromo“ ist ein Erlebnis für sich.
Der Karneval in Veracruz ist wohl der bekannteste und berühmteste in Mexiko – wer sich gerade als Au-Pair dort aufhält, sollte sich das unbedingt anschauen. Das Spektakel geht über neun Tage und wird mit der Verbrennung von „el malhumor“ (der schlechten Laune) eingeleitet. Es gibt dort übrigens neben der Karnevals-Königin auch einen „rey feo“ (das ist der hässliche König) und gemeinsam führt dieses Paar die zahlreichen Zeremonien an.

In Kanada ist die Hauptstadt des Karnevals Québec. Dort regiert „Bonhomme Carnaval“ (ein Schneemann, dessen Erkennungszeichen die rote „Tuque“ ist, die alte Zipfelmütze der frankophilen Bauern und Holzfäller), als Botschafter die Stadt. Alle die gerade als Au-Pair in dieser Gegend sind, sollten sich auch das in der Karnevalszeit stattfindende Eisskulpturenfestival anschauen, an dem Teams aus aller Welt an einer Vielzahl an Wettbewerben teilnehmen.
Freiwillige, die den Jahreswechsel in Südafrika erlebt haben, konnten dort bereits am zweiten Januar den „Coon Carnival“ (Rosenmontag) erleben. Auch dort wird ein sehr farbenfrohes Volksfest gefeiert, zu dem viele Karnevalsvereine aus der ganzen Stadt in Richtung Innenstadt ziehen und natürlich jeder Verein zeigen will, das er besser ist, als seine Mitbewerber.
Alle Au-Pairs, die derzeit in den USA sind, könnten dort in den Südstaaten „Mardi Gras“ (Fetter Dienstag, Faschingsdienstag) feiern. Die Hochburg dieses Festes ist in New Orleans – die ganze Stadt trägt zu diesem Anlass Violett, Grün und Gold und feiert ausgelassen. Es gibt Musik, Paraden und kunstvoll geschmückte Paradewagen, die vor allem im French Quarter und auf der Bourbon Street zu einer beliebten Anlaufstelle für Touristen aus aller Welt geworden sind.
In Australien ist der Karneval kaum bekannt – unsere Au-Pairs dort müssen, sofern die „Narren und Jecken“ sind, darauf hoffen, zu einer der meist privat, oder auch von einer deutschen Community, organisierten Veranstaltungen eingeladen zu werden.
Auch in Asien gibt es keinen Karneval, wie wir ihn kennen. Au-Pairs, die sich gerade in China aufhalten, werden aber sicherlich das chinesische Neujahr mitfeiern, das in diesem Jahr am 10. Februar beginnt und eine Woche lang zelebriert wird.
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Ich wünsche Ihnen allen, liebe Kulturisten, eine tolle närrische Zeit und freue mich, wie immer, über Beiträge zu interessanten Brauchtümern aus aller Welt.