
Sind Au-Pairs wirklich nur „billige Putzfrauen“?
Es ist etwas Besonderes, ein Au-Pair zu sein. In jüngster Zeit hingegen haben nicht zuletzt unterschiedliche Beiträge in diversen Medien dazu geführt, dass der Eindruck entsteht, viele Gastfamilien in Deutschland würden in allererster Linien deswegen Au-Pairs einladen, um eine kostengünstige Putzfrau zu haben. Das ist so sicher nicht ganz richtig! Zumindest nicht für die große Mehrheit der Gastfamilien, sondern nur für einen sehr geringen Anteil – wer dies so sieht, hat das Konzept des Au-Pair-Programms ganz offensichtlich überhaupt nicht verstanden.
Es gibt sie, die schlimmen Fälle, die gerne in den Medien verbreitet werden – keine Frage. Diese sind aber definitiv nicht die Regel, sondern vielmehr die Ausnahmen. Leider garantieren auch in diesem Bereich die vielen positiven Beispiele keine hohen Einschaltquoten und tauchen daher in den Medien nur sehr vereinzelt auf.
Wer jemals selbst (so wie ich zehn Jahre lang) ein Au-Pair im Haushalt hatte, weiß das. Dieser Personenkreis ist sich ganz bestimmt auch darüber im Klaren, dass es zuweilen einfacher wäre, eine Putzfrau einzustellen, denn die gute Dame putzt nämlich nicht nur tatsächlich, sie geht nach getaner Arbeit auch nach Hause und mit ihr all ihre Sorgen und Nöte. Viele Gastfamilien beschäftigen außerdem ohnehin eine Putzfrau, zusätzlich zum Au-Pair. Ein Au-Pair darf nämlich gar nicht all die Arbeiten ausführen, die eine Putzfrau übernimmt. Die große Mehrheit aller Gastfamilien, die ein Au-Pair einladen, suchen vielmehr nach einer/m konstanten Spielpartner/in für ihre Kinder, der/die es ihnen ermöglicht, auch Ferienzeiten und/oder Krankheiten zu überbrücken. Sie möchten ihren Kindern außerdem die Möglichkeit bieten, mit Menschen anderer Nationalitäten offen umzugehen, etwas über deren Kultur und Sprache spielerisch zu erlernen. Ein zusätzliches Plus ist natürlich, dass ein Au-Pair auch kleine Tätigkeiten im Haushalt übernehmen kann.
Wer ein Au-Pair einlädt, entscheidet sich also bewusst dafür, ein weiteres Familienmitglied 24/7 bei sich zu haben und zwar mit allen Sorgen und Nöten, die ein solches Auslandsjahr mit sich bringen kann. Wirklich „billig“ ist das auch nicht, denn wer annimmt, die Kosten beliefen sich lediglich auf 260 Euro Taschengeld im Monat, hat weit gefehlt. Und ich spreche hier nicht von Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung, Beteiligung am Sprachkurs und den Fahrtkosten dorthin, Kost und Logis, sondern davon, dass man das zusätzliche Familienmitglied ja schlecht von all den Ausflügen und ähnlichen Vergnügungen, die oftmals eben auch Geld kosten, ausschließen kann, bzw. das auch gar nicht will. Oder von den vielen Familien, die ihr Au-Pair mit in den Urlaub nehmen.
Auch all die Au-Pairs, die sich mit solchen Vorurteilen ausgesetzt sehen, fühlen sich an dieser Stelle sicherlich zumindest degradiert. Sie kommen ja ganz sicher nicht hierher, um Putzfrauen zu sein, sondern um eine Gastfamilie bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, im Haushalt zu helfen und im Gegenzug wirklich gut Deutsch zu lernen und Europa kennenzulernen. Au-Pairs, die über qualifizierte Organisationen vermittelt werden, bereiten sich viele Monate auf diesen Auslandsaufenthalt vor. Es sind junge Menschen auf der Suche nach etwas Neuem, nach neuen Erfahrungen und Perspektiven, die ihren Lebenslauf aufwerten – sie sind etwas Besonderes!