
Was hat es mit dem Valentinstag auf sich?
Ich muss gestehen, ich gehöre zu denjenigen, die es eigentlich ablehnen, Valentinsblumen, -pralinen oder ähnliches zu bekommen und ich trage auch Sorge dafür, dies bei jeder sich bietenden Gelegenheit kundzutun – was natürlich nicht heißt, dass ich mich nicht schon über die eine oder andere „Liebesgabe“ an diesem Tag gefreut hätte. Natürlich ist es schön, wenn die Menschen sich gegenseitig eine Freude machen, noch schöner ist es allerdings, wenn man dazu keinen besonderen Tag braucht.

Theorien zum Ursprung des Valentinstags
Davon ausgehend, dass es sich hier nicht nur um ein kommerzielles, sondern auch um ein kulturelles Ereignis handelt, habe ich mich dann ein wenig mit der Herkunft dieses „Tages der Liebenden" beschäftigt. Zu einer wirklich eindeutigen Erklärung bin ich allerdings nicht gelangt – es gibt hier verschiedene Theorien. So gab es schon im alten Rom ein Fest zu Ehren des Gottes der Hirten und Fruchtbarkeit (Lupercus), zu dem junge Frauen und Männer in einer Art „Liebeslotterie" unter der Schutzherrschaft des Gottes Amor zusammengewürfelt wurden. Von diesem Fest ausgehend gibt es eine Verbindung zu Bischoff Valentin von Terni (Italien), der sich mit Rat und Tat für Liebende eingesetzt und sie auch getraut haben soll, wenn sie sich dieser Lotterie entgegensetzten. Bischoff Valentin starb den Märtyrertod – er wurde am 14. Februar 269 enthauptet. Einen weiteren möglichen Ursprung für diesen Tag findet man auch im angelsächsischen Raum. So galt der 14. Februar im Mittelalter in England als der Tag an dem sich die Vögel paarten – junge Burschen (Valentin) konnten sich an diesem Tag ein junges Mädchen (Valentine) erwählen. Entschieden wurde auch hier durch Los, oder durch die erste Begegnung am Morgen. Die Paarbildung der Valentinen galt als besonders günstige Voraussetzung einer künftigen ehelichen Bildung. Zum Ritual gehörte es auch, sich gegenseitig kleine Geschenke, oder Neckereien – insbesondere Gedichte – zu schenken. Einer weiteren Quelle ist zu entnehmen, dass der 14. Februar zuerst in Frankreich als Tag der Liebenden und Verlobten bezeugt ist und vom ostkirchlichen Lichtmess-Fest übernommen wurde. Bereits im 12. und 13. Jahrhundert entstand dort eine neue Form der Galanterie zwischen dem Ritter und der Frau, die sich in der als Minnesang bekannten Liebeslyrik niederschlug. Mir persönlich gefällt diese Herleitung recht gut, nämlich darin einen Erinnerungstag an die „gedenkende Liebe" des Minnesangs zu sehen – denn diese kann durch Worte, Taten, Geschenke bezeugt werden, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wie wird der Valentinstag anderenorts gefeiert?
Besonders interessant finde ich es, dass Jungverliebte sogenannte „Liebesschlösser" auf Brücken anbringen, um so symbolisch ihre ewige Liebe zu besiegeln. Diese Schlösser sind oft mit den Initialen des Paares versehen, der Schlüssel wird nach dem Anbringen des Schlosses in den Fluss geworfen. Der Ursprung dieses Brauchtums soll in Italien (Ponte Vecchio) liegen, aber auch an der Kölner Hohenzollernbrücke, le Pont des Arts in Paris, dem Makartsteg in Salzburg oder der Brooklyn Bridge in New York sind diese Schlösser heute unter anderem zu finden.
In den USA hat der Valentinstag eine sehr viel höhere Bedeutung als bei uns und beschert alljährlich vielen Wirtschaftszweigen einen riesigen Umsatzboom. Die Anzahl der erhalten Valentinskarten gilt vor allem unter Jugendlichen als Gradmesser für die eigene Popularität – wer keine erhält ist arm dran!
Auch in Brasilien feiert man den Valentinstag, allerdings nicht am 14. Februar, sondern am 12. Juni. Man erfreut sich dort ebenfalls gegenseitig mit kleinen Geschenken und viele Paare geben an diesem Tag ihre Verlobung bekannt.
Sehr sympathisch finde ich den „Tag der Freundschaft", der am 14. Februar in Finnland begangen wird. Dort beschenken sich nicht nur Verliebte, sondern auch Freunde bekommen kleine Geschenke oder Karten.
In Südafrika steht der Valentinstag nicht nur für Liebende, sondern auch für die multikulturelle Vielfalt und ist deswegen ein großes Ereignis. Kunst und Kultur des Landes werden in vielen öffentlichen Festen an diesem Tag hervorgehoben.
Das chinesische Pendant des westlichen Valentinstages ist Qixi, das auf den Abend des 7. Tages des 7. Monats nach dem chinesischen Mondkalender fällt (dieses Jahr am 13. August). Das gleiche Fest heißt in Japan Tanabata. Allerdings gibt es in Japan inzwischen auch ein Brauchtum am 14. Februar – an diesem Tag können Frauen Männern Schokolade schenken. Dies muss allerdings nicht zwingend Verliebtheit voraussetzen, allerdings dürfen die Frauen von den beschenkten Männern dann einen Monat später, nämlich am 14. März (dem White Day) ein Gegengeschenk, z.B. weiße Schokolade, erwarten.
Wie immer, freue ich mich, wenn Sie weitere Bräuche oder Traditionen, die Sie zu diesem Anlass kennen, mit uns teilen und wünsche Ihnen allen einen schönen Valentinstag! Ich verabschiede mich, passend zum heutigen Tag, mit einem Zitat des Wortkünstlers Karl Valentin, der sicher nicht Namensgeber des heutigen Tages ist:
"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde."
