
Warum Fremdsprachenkenntnisse als Au-Pair im Ausland wichtig sind
So, oder so ähnlich lautet die Frage, die wir immer wieder beantworten. Nein – man MUSS keine Vorkenntnisse mitbringen. Zumindest nicht überall. In manchen Ländern, wie beispielsweise in Spanien oder Italien ist es absolut kein Problem eine Gastfamilie zu finden, die ein Au-Pair akzeptiert, das neben Deutsch, nur Englisch spricht. Als Au-Pair in China oder in der Türkei werden diese Kenntnisse schon gar von Ihnen nicht erwartet, sofern Sie gut Englisch sprechen. Ganz anders sieht es aus, wenn Sie als Au-Pair nach Australien oder Neuseeland reisen möchten – in diesen Ländern werden ebenso gute Englisch-Kenntnisse erwartet, wie auch in England. Wer als Au-Pair in die USA reisen möchte, muss bereits im Vorfeld ein umfangreiches Interview über sich ergehen lassen. Auch wer als Au-Pair nach Frankreich gehen möchte, wird es schwerer haben, eine Gastfamilie zu finden, sofern keine Grundkenntnisse der französischen Sprache vorhanden sind.
Warum gibt es von Land zu Land solche Unterschiede?
Nun – beginnen wir mit China. Dort wird von den Au-Pairs mitnichten erwartet, dass sie Kinder in der gleichen Weise betreuen, wie in vielen anderen Ländern, oder gar tatsächlich im Haushalt helfen. Ein Au-Pair in China ist eher eine Art „Kulturbotschafter", d.h. es wird erwartet, dass Sie dem Kind Ihrer Gastfamilie die „westliche Lebensart" nahebringen und mit ihm Englisch üben. In Ländern wie Italien, Spanien oder der Türkei steht ebenfalls der Spracherwerb der Kinder (nämlich Englisch und/oder Deutsch) im Vordergrund. Dies ist bei französischen oder englischen Familien eher nicht der Fall – hier wird erwartet, dass Sie mit den Kindern in deren Muttersprache kommunizieren können. Gleiches gilt für die USA, Australien oder Neuseeland. In diesen Ländern kommt noch hinzu, dass es in der Tat sehr viel aufwendiger und kostenintensiver ist, ein Au-Pair aus Europa einzuladen, sodass man das Risiko eines Misserfolges natürlich möglichst gering halten möchte. Dennoch gibt es überall Gemeinsamkeiten, die ich Ihnen nun zu bedenken geben möchte.
Ganz wichtig: die Kinder Ihrer Gastfamilie!
Die Kommunikation mit Kindern gestaltet sich anderes, als die mit Erwachsenen. Bis zu einem gewissen Alter können Sie sicherlich mit Kindern auf der ganzen Welt, bis zu einem gewissen Punkt, auch „non-verbal" kommunizieren. Ist dieser Punkt aber altersgemäß überschritten, so können einige Schwierigkeiten auftreten. So ist es für Kinder zuweilen schwierig einzuschätzen, warum ihr Gegenüber nicht in der Weise reagiert, wie sie es erwarten oder gewohnt sind. Dies gilt natürlich ganz besonders dann, wenn Sie das erste Au-Pair in der Gastfamilie sein sollten. „Au-Pair-erfahrene" Kinder können mit anfänglichen Sprachschwierigkeiten evtl. einfacher umgehen. Bedenken sollten Sie auch, dass es für die Kinder, selbst wenn die Gasteltern das gerne möchten, sehr viel anstrengender ist, sich in einer Fremdsprache zu verständigen. Wirklichen Zugang zu ihnen werden Sie deswegen sehr viel einfacher bekommen, wenn Sie mit ihnen auch in ihrer Muttersprache kommunizieren können. Auch sollten Sie die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, die es Ihnen bereiten würde, einem Kind im entsprechenden Alter Grenzen zu setzen, wenn Sie dies nicht auch verbal in einer unmissverständlichen Art und Weise tun können.

Erwartungen der Gastfamilie
Oberste Priorität für Gastfamilien, egal wo auf der Welt, hat es natürlich, dass sie ihre Kinder in guten Händen wissen. Gerade berufstätigen Gasteltern, die ein Au-Pair u.a. zur Ergänzung der Kinderbetreuung einladen, ist es daher wichtig, dass sie sich darauf verlassen können, dass das Au-Pair, auch in Krisensituationen (Krankheit, Verletzungen o.ä.) richtig reagieren kann und dies ist ohne Kenntnisse der Landessprache nicht unbedingt möglich. Denken Sie nur daran, dass Sie in die Situation kommen könnten, telefonisch Hilfe holen zu müssen, oder einen Arzt anzurufen und schnell einen Sachverhalt schildern zu müssen. Im Alltag mit Kindern kommt es immer wieder auch zu völlig unspektakulären Situationen, in denen Sie Entscheidungen treffen und entsprechend kommunizieren müssen – schwierig wird es dann zuweilen nur dann, wenn Sie sich auch noch mit sprachlichen Barrieren plagen müssen.
Ihre eigenen Vorstellungen von einem Auslandsaufenthalt
Neben Spracherwerb bzw. Erweiterung oder Vertiefung von Fremdsprachenkenntnissen, haben Sie sicherlich noch weitere Erwartungen an Ihre Au-Pair-Zeit. So möchten Sie bestimmt das Gastland kennenlernen und auch seine Menschen. Selbstverständlich kann man sich in weiten Teilen der Welt auf Englisch verständigen, aber eben nicht überall. Ganz abgesehen davon, dass Sie die Menschen Ihres Gastlandes nur dann wirklich kennenlernen werden, wenn Sie sich mit Ihnen in ihrer Landessprache unterhalten können. Sprachliche Fehler wird man Ihnen dabei immer verzeihen und ganz sicher freuen sich die Menschen allerorten stets darüber, wenn sie merken, dass ihr Gegenüber sich darum bemüht, die Landessprache zu sprechen – zumindest habe ich persönlich es noch nicht anders erlebt. Ganz sicher erwarten Sie nicht, große Schwierigkeiten mit einem Kulturschock zu haben – auch dieses Risiko können Sie deutlich minimieren, wenn Sie sich darum bemühen, in der Sprache Ihres Gastlandes zu kommunizieren.
Mein Rat an Sie, sofern Sie planen als Au-Pair ins Ausland zu gehen, lautet daher unbedingt, dass Sie sich darum bemühen, sich bereits im Vorfeld zumindest rudimentäre Kenntnisse der Sprache des Gastlandes anzueignen – auch wenn das, je nach Land, nicht unbedingt Voraussetzung zur Teilnahme am Au-Pair-Programm ist. Sie werden davon in jedem Fall nur profitieren!