
Was bedeutet ein Au-Pair für Sie als Gastfamilie?
Flexible Kinderbetreuung und Kulturaustausch stehen hier natürlich an erster Stelle, was genau heißt das, oder was genau bietet ein es einer Gastfamilie, ein Familienmitglied auf Zeit aufzunehmen?
In meinen Gesprächen mit unseren Gastfamilien, ganz besonders mit neuen Gastfamilien, ist genau das natürlich immer wieder ein Thema. Selbstverständlich werden Sie, sofern Sie eine dieser Familien sind, versuchen, das Für und Wider abzuwägen und sich fragen, was genau es für Sie bedeuten wird, ein neues Mitglied (wenn auch auf Zeit) in Ihrer Familie zu haben. Vor allem dann, wenn Sie diesbezüglich noch keine Erfahrung haben, möchten Sie natürlich sicher sein, die „richtige Entscheidung" zu treffen. Ich möchte deswegen ein paar Gedanken und Fragen aufgreifen, die in diesem Zusammenhang für Sie von Interesse sein könnten.
Ganz wichtig und gleich vorab:
Ein Au-Pair ist keine Kinderfrau
Sie können definitiv nicht davon ausgehen, dass ein Au-Pair die Kinderfrau ersetzen kann. Das beginnt schon damit, dass Au-Pairs immer sehr viel jünger sind, als das bei einer Kinderfrau hierzulande üblicherweise der Fall ist. Das muss allerdings nicht heißen, dass ein Au-Pair zwangsläufig deutlich weniger erfahren ist – sehr viele dieser jungen Leute haben bereits erstaunlich viel Erfahrung in der Kinderbetreuung. Gemeinsam ist ihnen allen ganz sicher auch ein recht großes Maß an Enthusiasmus und Engagement, denn anderenfalls hätten sie sich nicht für dieses Programm entschieden. Au-Pairs sind aber ganz sicher keine „Arbeitnehmer", die Sie gegen ein Entgelt beschäftigen, sondern sie unterstützen Sie vielmehr deswegen, weil sie eben eine andere Form der Gegenleistung erwarten, was uns gleich zum nächsten Punkt führt, nämlich:
Der Gedanke des Austauschs – des Kulturaustauschs
Natürlich erwartet ein Au-Pair die Zahlung des üblichen Taschengeldes. Dies stellt kein Gehalt dar, sondern ist für die jungen Leute einfach eine Möglichkeit, einen Auslandsaufenthalt über einen längeren Zeitraum selbst finanzieren zu können. Ebenso wichtig ist es aber, dass sie die Möglichkeit haben, die Sprache im Gastland möglichst gut zu erlernen und das Leben im Gastland tatsächlich kennenlernen zu können. Die allermeisten Au-pairs waren noch nie im Ausland, oder für längere Zeit von ihrer Familie getrennt. So bietet das Au-Pair-Programm ihnen die Möglichkeit zu einer Auslandserfahrung, ohne dabei gänzlich auf „Familienanschluss" verzichten zu müssen. Auf der anderen Seite haben Sie, als Gastfamilie natürlich auch die Möglichkeit in Ihrem Familienverband eine andere Kultur zu erleben und vor allem Ihren Kindern schon sehr früh nahe zu bringen, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen ganz natürlich umzugehen. So können teilweise schon sehr früh Fremdsprachen vermittelt werden, wenn Ihr Au-Pair beispielsweise mit Ihrem Kind ein Gedicht aus der Heimat übt. Es können unterschiedliche Brauchtümer zu Festtagen nahegebracht, oder auch Ihr Speiseplan durch Rezepte aus anderen Teilen der Welt bereichert werden. Wenngleich selbstverständlich von jedem Au-Pair erwartet werden kann, dass er/sie sich im neuen Kulturraum integriert, so werden sie doch nicht ihre eigene kulturelle Identität aufgeben und genau dadurch entsteht eben dieser Austausch, den dieses Programm allen Beteiligten bietet.
Kulturschock, oder kulturelle Unterschiede?
Sehr oft geht es in Beratungsgesprächen auch um das Thema „Kulturschock“. Gemeint ist hier die Sorge darüber, dass beispielsweise ein Au-Pair aus Kathmandu sich hier nicht zu Recht finden könne, weil es so große Unterschiede gäbe. Stimmt, die gibt es in der Tat – allerdings sollte man an dieser Stelle nicht vergessen, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Überall auf der Welt gibt es Fernseher und Internet, nichts von dem, was es hier gibt, ist den Au-Pairs aus allen Teilen der Welt, zumindest theoretisch, unbekannt. Generell kommen alle Au-Pairs, die an diesem Austauschprogramm teilnehmen, aus großen Städten im Ausland. Abgesehen davon, erleiden teilweise auch junge Deutsche, die als Au-Pairs nach England gehen, zuweilen einen sogenannten Kulturschock, der eher aus Dingen wie Heimweh, dem Gefühl des Unverstanden/Fremd Seins oder auch aus sprachlichen Barrieren resultiert. Seien Sie also am besten darauf vorbereitet, Ihrem neuen Familienmitglied auf Zeit über diese Phase hinweg zu helfen.
Wo verläuft die Grenze zwischen Familienanschluss und Privatsphäre?
Ganz besonders diejenigen Gastfamilien die zuvor noch kein Au-Pair hatten, befürchten zuweilen, dass ein Au-Pair erwarten könne, dass sie/er jeden Abend mit den Gasteltern verbringe und so kaum noch Privatsphären vorhanden sein würde. Dies ist ein Gedanke, den Sie getrost einfach ad acta legen können – es handelt sich hier schließlich um junge Erwachsene. Natürlich wird man den einen oder anderen Abend miteinander verbringen, hoffentlich bei interessanten Gesprächen, aber in der Regel wird auch Ihr Au-Pair es vorziehen, sich abends zurückzuziehen. Es ist, vor allen in den ersten Wochen tatsächlich ermüdend, den ganzen Tag in einer Fremdsprache kommunizieren zu müssen. Ebenso ist die Betreuung Ihrer Kinder, die für Sie selbstverständlich ist, für ein Au-Pair zunächst auch anstrengend – schließlich wird sie/er sich ja auch darum bemühen, möglichst keinen Fehler machen zu wollen. Au-Pairs nehmen an Sprachkursen teil, die sie vor- und nachbereiten müssen, schließen im Laufe der Zeit neue Bekanntschaften und werden sicherlich auch soziale Kontakte außerhalb der Gastfamilie haben.

Ihr Au-Pair und Ihre Kinder
Nach beinahe 15 Jahren Erfahrung in der Au-Pair-Vermittlung (und auch als langjährige Gastmutter) kann ich nach wie vor sagen, dass Kinder von dieser Form der Betreuung nur profitieren. Kinder sind zumeist unbefangen und offen – es ist für sie nicht wirklich wichtig, wie gut das neue Familienmitglied Deutsch spricht, Hauptsache er/sie bemüht sich ernsthaft um Kommunikation, in welcher Form auch immer. Wichtig ist vielmehr, dass sie/er tatsächlich ein echtes Interesse an ihnen hat, Kinder nehmen das sehr schnell wahr. Sie registrieren ebenfalls sehr schnell, dass es da jemanden gibt, der/die fast immer Zeit für sie hat und sich mit ihnen beschäftigt. Selbstverständlich finden sie ebenfalls schnell heraus, wenn diese Person viel nachgiebiger ist, als die Eltern – und das wiederum ist oftmals ein Thema, welches Sie dann mit Ihrem Au-Pair in Ruhe besprechen und Lösungsansätze aufzeigen müssen. Probleme an dieser Stelle entstehen deswegen, weil Au-Pairs ja zunächst sehr darum bemüht sind, Zugang zu den Gastgeschwistern zu finden und darüber dann unter Umständen den Punkt verpassen, an dem sie hätten Grenzen setzen sollen.
Sie sehen schon, die zeitlich begrenzte Aufnahme eines neuen Familienmitglieds bietet viele Möglichkeiten und es wird mit Sicherheit jedes Mal anders sein. Alle Menschen und Kulturen sind unterschiedlich und genau diese Unterschiede machen das Programm andererseits auch so interessant. Lehrreiche und einmalige Erfahrungen lassen sich in jedem Fall auf vielen Gebieten und von allen Beteiligten sammeln – lassen Sie sich überraschen ...