
Zu Au-Pairs aus dem Ausland und ihren Deutsch-Kenntnissen
Nach meiner persönlichen Erfahrung reichen da wenige Worte im Prinzip aus! Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber ich habe das in der Tat so erlebt. Die junge Dame, an die ich in diesem Zusammenhang automatisch denken muss, kam seinerzeit aus Rumänien und sprach vielleicht 50-100 Worte Deutsch. Sie konnte zwar gut Englisch sprechen, mein Sohn mit etwa 4 Jahren allerdings nicht. Dennoch war „Sprache" an sich von Anfang an weder ein Thema, noch jemals ein Problem. Selbstverständlich machen Grundkenntnisse der deutschen Sprache vieles einfacher, aber ich habe es seither immer wieder mal erlebt: Wer wirklich kommunizieren will, wird das auch tun. Vor allem mit Kindern kann man das auf verschiedenste, auch non-verbale, Art und Weise tun.
Was heißt „Grundkenntnisse der deutschen Sprache"?
Alle Au-Pairs, die heute nach Deutschland kommen, müssen zumindest ein A1-Zertifikat des örtlichen Goethe-Instituts vorweisen, wenn sie ein Au-Pair-Visum beantragen. Dies ist inzwischen eine der Voraussetzungen zur Teilnahme am deutschen Au-Pair-Programm. Dies ist die Grundstufe des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Die offizielle Definition der Stufe A1 lautet: „Kann vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und verwenden, die auf die Befriedigung konkreter Bedürfnisse zielen. Kann sich und andere vorstellen und anderen Leuten Fragen zu ihrer Person stellen - z. B. wo sie wohnen, was für Leute sie kennen oder was für Dinge sie haben - und kann auf Fragen dieser Art Antwort geben. Kann sich auf einfache Art verständigen, wenn die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen und bereit sind zu helfen." Das scheint nicht allzu viel zu sein, man sollte allerdings bedenken, dass die Prüfung außer dem schriftlichen Teil auch einen mündlichen und vor allem auch einen Teil „Hörverstehen" beinhaltet. Gerade das Letztgenannte fällt oft nicht sehr leicht, zumal die Lernenden ja bis dahin ausschließlich ihre/n Lehrer/in gehört haben und schon eine andere Betonung oder Sprachmelodie dann zuweilen das Gefühl vermitteln, „gar nichts zu verstehen". Ähnlich ist es dann wieder, wenn Au-Pairs einreisen und plötzliche Dialekte hören, oder aber feststellen, dass wir hier nicht jedes Wort so deutlich artikulieren, wie sie es im Unterricht gehört haben, oder sogar im alltäglichen Sprachgebrauch ganz anders verwenden, als sie es bisher gelernt haben. Man sollte das nicht unterschätzen und generell davon ausgehen, dass ein Au-Pair i.d.R. etwa einen Monat benötigt, bis sie/er sich auch sprachlich eingelebt hat.

Sollte man besser ein Au-Pair einladen, die/der außerdem noch z.B. Englisch spricht?
Es gibt Argument dafür und dagegen! Dafür spricht selbstverständlich die Möglichkeit, dass man, vor allem am Anfang, so weiterreichende oder tiefergehende Gespräche führen kann, oder auch, dass man viele Dinge einfacher erklären kann, als würde man das begrenzte Vokabular nutzen, welches das Au-Pair bereits kennt. Dagegen spricht allerdings, dass man in solchen Fällen dazu neigt, immer wieder auf diese Sprache auszuweichen und das Au-Pair letztendlich langsamer Deutsch lernen wird. Es gibt sehr viele junge Leute aus unterschiedlichsten Teilen der Welt, die mit sehr guten Englisch-, Französisch oder Spanisch-Kenntnissen hier ankommen und die dann auf Gastfamilien treffen, die sich freuen, wenn sie ebenfalls in eine andere Sprache trainieren können. Im Nu sind Monate verstrichen und plötzlich erinnern sich alle Beteiligten daran, dass da jemand ist, die/der ja Deutsch lernen möchte.
Generell empfehle ich unseren Gastfamilien immer wieder, bei der Auswahl potentiell in Frage kommender Au-Pairs den Fokus nicht zu sehr auf Sprachkenntnisse zu setzen. Seit Einführung des A1-Zertifikates als Voraussetzung zur Teilnahme am Au-Pair-Programm erhalten wir äußerst selten Rückmeldungen von Gastfamilien dahingehend, dass mangelnde Sprachkenntnisse tatsächlich Probleme aufwerfen. Auch ist die Sorge, dass kleine Kinder u.U. ein schlechtes Deutsch lernen könnten, wenn das Au-Pair eben nicht wirklich gut Deutsch spricht, eher unbegründet, denn Ihre Kinder lernen die Muttersprache ja nicht vom Au-Pair, sondern von Ihnen. Jedes Au-Pair, welches sich für ein Programm in Deutschland entscheidet, möchte ja am Ende auch gut Deutsch lernen und hat bereits eine Basis dafür geschaffen – der/die eine lernt es sehr schnell, andere benötigen etwas mehr Zeit. Letztendlich kommt es auch ein bisschen auf die Sprachbegabung der einzelnen Person an. Viel wichtiger aber ist es, dass man eine Person als Au-Pair einlädt, die sympathisch wirkt und die vielleicht ähnliche Interessen hat. Sie sollten einfach ein subjektiv gutes Gefühl dabei haben, dann wird sich alles andere, wie beispielsweise der Spracherwerb, in den allermeisten Fällen ebenfalls positiv entwickeln!